Zauberpilze: Eine Geschichte

Veröffentlicht :
Kategorien : Default

Zauberpilze: Eine Geschichte

Für Tausende von Jahren hatten die Menschen eine wichtige Beziehung mit psychotropen Pilzen. Irgendwie stolperten unsere Vorfahren in der Wildnis über dieses Gewächs und verzehrten es.

REISE IN DIE VERGANGENHEIT

In prähistorischen Wandmalereien auf der ganzen Welt wurden Abbildungen gefunden, die die Verwendung von psychedelischen Pilzen vor Tausenden von Jahren darstellen. Alte Höhlenmalereien in der Tassili n’Ajjer Gebirgskette in Südost-Algerien zeigen eindrucksvolle Bilder von humanoiden Figuren, denen Pilzen aus ihren Körpern wachsen. Diese wurden auf 5000 vor Christus datiert. Später, aber bereits 1000 v.Chr., können wir Beweise dafür finden, dass einheimische Kulturen in Südamerika Tempel für ihre Pilz-Götter bauten. Sie stellten auch Skulpturen aus Stein her, die die Form von Pilzen hatten, von denen angenommen wird, dass sie in Zeremonien als religiöse Gegenstände verwendet wurden. Die Mixteken und Azteken in Mexiko verwendeten eine Reihe von heiligen Pflanzen als Medikamente, einschließlich Peyote, Salvia divinorum und natürlich die Pilze, die sie Teonanácatl nannten, das "Fleisch der Götter".

Erstmals schriftlich dokumentiert wurde die Nutzung von Psilocybin im 16. Jahrhundert, als die Spanier ihre Eroberung Mesoamerikas begannen. Alkohol war bereits weit verbreitet und wurde oft symbolisch im Gottesdienst verwendet. Siedler kamen mit Geschichten zurück, die die Verwendung von berauschenden Kakteen und Pilzen in Stammeskulten priesen. Die Konquistadoren beschrieben traditionelle Zeremonien einer geistigen und göttlichen Natur. Das war in Europa unerhört - konservative Haltungen kamen innerhalb der katholischen Kirche auf, die Pilze zu Ketzerei erklärt und ihre Verwendung in den Untergrund getrieben. Im Jahre 1521 war das Reich der Azteken fast vollständig erobert und ihre Bevölkerung stark dezimiert. Katholizismus wurde in die Kultur eingeführt und die Kenntnis über die Pilze ging fast verloren.

DIE ERSTE RENNAISSANCE

Einige Kulte überlebten die Inquisition jedoch und 1938 beobachtete Richard Evans Schultes, bekannt als der "Vater der Ethnobotanik", eine traditionelle heilige Pilzzeremonie in Oaxaca, Mexiko. Im folgenden Jahr veröffentlichte er für das Harvard University Botanical Museum eine Broschüre über seine Erfahrungen. Die ersten dokumentierten Outsider, die tatsächlich diese Pilze gegessen haben, waren R. Gordon Wasson, ein Mykologe und sein Fotograf Allan Richardson. Wasson hörte von Schultes' Abenteuer und reiste 1955 nach Zentralmexiko, um sich mit einer Schamanin zutreffen, Maria Sabina. Er wiederentdeckte erfolgreich einen geheimen Pilz-Kult und wurde in ihn eingeführt. Wasson schrieb mehrere Bücher und argumentiert, dass diese fortlebenden Riten die Nachkommen der gleichen alten Pilz-Kulte waren, die weltweit spirituelle Traditionen inspiriert haben. In der gesamten religiösen Ikonographie können wir versteckte Hinweise auf die Verwendung von Pilzen beobachten - die mehrere Schichten der alten Gnosis in Bildern und Metaphern umfasst. Im Osten beschreibt der vedische Hinduismus ein göttliches, visionäres Sakrament, das als Soma bekannt ist. Im Westen, im antiken Griechenland, nahmen die Teilnehmer in den Mysterien von Eleusis ein heiliges Sakrament zu sich, das sie Kykeon nannten. Könnte es sein, dass alle großen Weltreligionen durch die spirituellen Einsichten inspiriert wurden, die visionäre Gewächse enthalten?

HIPPY FORSCHUNG

Wassons Ergebnisse wurden im Jahr 1957 im "Life" Magazin veröffentlicht. Er hatte eng mit Sabina zusammengearbeitet und schrieb ein Arbeitsblatt, in dem er mit Begeisterung die Tugenden der Pilze pries. Der Begriff "Magic Mushrooms" wurde geprägt und das hatte so etwas wie eine sich allmählich ausbreitende Wirkung in der psychedelisch orientierten Gemeinschaft, woraufhin Albert Hofman (Der Schöpfer von LSD) im Jahr 1958 die Substanz Psilocybin für den Vertrieb isolierte. Nach Wassons Bericht reiste auch Timothy Leary nach Mexiko, um das Pilz-Phänomen zu untersuchen. Bis 1960 führte er Experimente an sich selbst und Studenten der Harvard Universität, sowie Staatsgefangenen durch, die sich für diese Sache gemeldet hatten. Die Verwendung von LSD und Zauberpilzen, so behaupteten sie, würde mit einer 90%igen Erfolgsquote Wiederholungstaten verhindern - was in den Medien einen Shitstorm entfesselte. Psychedelika trat in die Öffentlichkeit und wurden in den 60er und 70er Jahren zum Symbol der Gegenkultur.

MODERNE PILZE UND DIE ZWEITE RENNAISSANCE

Heute, in Zeiten des Internets, sind Informationen über Pilze weit verbreitet. Wir haben mit der Wissenschaft festgestellt, dass der Konsum von Psilocin sicher ist und dass es eine Reihe von gesundheitlichen Nutzen hat. Der Aufstieg von Smartshops, kombiniert mit modernen Techniken der Mykologie, hat zu so etwas wie einem Wiederaufleben des Pilzes geführt - eine der jüngsten dänischen Studie berichtet, dass etwa 7% aller Studenten magische Pilze zu sich genommen haben. In Labors wurden synthetische Psilocybin-Analoga und für Neo-Schamanen sogar neue, biologische, entheogene Technologien entwickelt.

Könnte es sein, dass die Pilze uns Menschen schon immer als Katalysator für die Entwicklung unseres Bewußtseins begleitet haben? Ist es möglich, dass der visionäre Zustand, den Psilocybin auslöst, die Inspiration für die modernen Weltreligionen gewesen sein könnte?

Was auch immer Du glauben magst, es ist unstrittig, dass diese Pilze leistungsfähige Werkzeuge für die Erforschung veränderter Geisteszustände sind. Gemeinsam können wir die Erforschung und den Anbau von Pilzen auf eine ganz neue Ebene bringen und die Sache der nächsten globalen psychedelischen Renaissance anführen.